Hansjörg Malonek

1959 – 2018

 

Hansjörg ist tot. Und obwohl er jetzt schon gut zwei Wochen nicht mehr unter uns ist, und obwohl wir erst vor einigen Tagen auf seiner Beisetzung in Waldkraiburg waren, kann man sich das immer noch nicht so richtig vorstellen. Aber vieles, was Hansjörg Malonek ausmachte, kann und konnte man sich nicht vorstellen.

Dass jemand als Schüler mit gerade mal 17 Jahren in einer mittelgroßen Provinzstadt einen Folk-Club gründet, ist unvorstellbar. Das dieser Club innerhalb weniger Jahre zu einer der ersten Adressen für Bluegrass-Musik in Europa wird in dem sich die renommiertesten Songwriter und Bluegrass-Bands der USA die Klinke in die Hand geben, erscheint auch heute – Jahrzehnte später – fast absolut unvorstellbar. Aber dank Hansjörg ist es hier in Villingen so geschehen.

Aber was heißt das, wenn von jemanden gesagt wird, er habe einen Club oder ein Festival gegründet? Solche Institutionen gründet man nicht so wie man ein Unternehmen gründet. Solche Institutionen initiiert und inspiriert man. Und dies war Hansjörgs Leistung und Talent – andere Menschen zu inspirieren sich zusammen zu finden, an das Unmögliche zu glauben und es möglich zu machen. Denn Hansjörg glaubte fest daran, dass Kultur überall möglich ist, wenn sich Menschen finden, die sich dafür begeistern. Und ebenso fest glaubte er daran, dass es überall Menschen gibt, die sich für Live-Musik begeistern, für jede Art von Live-Musik. Auch wenn sein Herz zeitlebens dem Bluegrass gehörte, habe ich selten einen anderen Menschen getroffen, der so offen und hellhörig für jedes andere Genre war.

Weil für Hansjörg jedes Konzert ein Fest war, waren Festivals für ihn seine natürliche Umgebung, sein ureigenster Lebensraum, als Besucher genauso wie als Veranstalter. Der Folk-Club war kaum ein Jahr alt, da fand in den Schwenninger Messehallen bereits das erste Folk-Festival statt. Das „Grasspower-Festival“, das „Festival der kleinen Künste“, „Film, Folk und Blues im Zirkuszelt“ und viele weitere sollten folgen – bis hin zum heutigen „Innenhof-Festival“, das wir als sein Vermächtnis in Ehren halten werden.

Deswegen bin ich mir sicher, dass Hansjörg jetzt irgendwo auf einer Bluegrass-Wolke bei Doc Watson und Earl Scruggs sitzt und bereits sein erstes „Bluegrass in Heaven“ Festival plant. Will the circle be unbroken!